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Starke Rede von der Vorsitzenden des Landesfrauenrates Baden-Württemberg Manuela Rukavina

Auszüge Grußbotschaft Kundgebung

halt!zusammen- Baden-Württemberg gegen Rassismus und Gewalt

16. Januar 2016 in Stuttgart

Manuela Rukavina. Erste Vorsitzende Landesfrauenrat

Stichwort sexuelle Gewalt:

Auf der einen Seite bin ich fassungslos und beinahe wortlos-

Entsetzt und erschrocken über den offenen Rassismus, dem wir gerade täglich seit Silvester

begegnen.

Auf der anderen Seite denke ich:

Nein- jetzt darf man auf keinen Fall wortlos sein.

Genau jetzt muss man klare Worte finden,

demokratische Haltung zeigen.

Zivilcourage zeigen. Zusammen kommen.

Seit Silvester beherrscht jetzt ein Thema klar die Debatten. Sexualisierte Gewalt- die dann gern mit

rechtspopulistischen Äußerungen vermengt wird.

Über 2,5 Millionen Frauen sind im Landesfrauenrat organisiert.

Für diese Frauen und alle anderen sage auch ich hier deutlich:

Wir verurteilen jegliche Form von sexualisierter Gewalt. Ausnahmslos.

Der Einsatz gegen sexualisierte Gewalt muss immer und nach allen Kräften auf der Agenda der

politisch Verantwortlichen stehen.

Egal wer die Täter sind.

Egal wer die Opfer sind.

Denn: Sexualisierte Gewalt geht einfach gar nie!

Ausnahmslos.

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Ausnahmslos- unter diesem Hashtag haben 22 Frauen aus ganz unterschiedlichen Bereichen einen Aufruf gestartet, der klar aufzeigt, wer was jetzt zu tun hat.

Sie haben Forderungen an die Politik formuliert.

Sie haben Forderungen an die Gesellschaft formuliert und sie haben Forderungen an die Medien formuliert.

Und diese Breite zeigt den Kern der Sache:

sexualisierte Gewalt geht uns alle an.

Es haben schon sehr viele Menschen diesen Aufruf unterzeichnet- ich bitte euch: unterschreibt auch ihr!

Zeigen Sie, dass wir der aktuellen Situation

mit Verstand, mit Ruhe und mit dem nötigen kritischen Weitblick begegnen.

Stichwort Rechtspopulisten und Frauenpolitik

Es ist für mich kaum auszuhalten, wie derzeit in den Debatten alles mit einander verquirlt wird und

mit großen Pauschalierungen und Gerüchten garniert wird- immer mit dem Ziel der scheinbaren Verteidigung unserer Werte.

Und dabei kommen häufig fremdenfeindliche, Ressentiments geschwängerte Diffamierungen bei raus-

die für mich nichts mit „unseren“ Werten zu tun haben.

Denn die Frage ist doch auch, was sind denn „unsere“ Werte?

Wenn ich sehe, wer sich nun schon seit einiger Zeit

–nicht erst seit Silvester-

zur Speerspitze der Rechte der Frau aufschwingt, da wird es mir übel.

Rechtspopulistische Gruppierungen wie z.B. Pegida oder die AFD meinen hier die Frauen vertreten zu müssen.

Das ist mehr als scheinheilig: Denn die Afd zum Beispiel hat ein Wahlprogramm, das alle Errungenschaften der Gleichberechtigung faktisch wieder abschaffen möchte.

Die Begründungen dazu sind so reaktionär und gestrig, dass ich beim Lesen des Wahlprogramms Herzrasen bekommen habe.

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Ich erspare uns hier die Details.

deshalb sage ich klar und deutlich in diese Richtung:

nein- ihr sprecht nicht für mich und meine Werte!

Nein, wir teilen nicht die gleichen Werte!

Wir verbitten uns als Frauen, dass

sich solche rechtspopulistische Gruppen und Anhänger in frauenpolitischen Diskurs immer nur dann für Frauen einsetzen, wenn man diese als Instrument im Kampf gegen Minderheitenrechte nutzen kann!

Wenn es aber darum geht, die Frau vor Inländern oder gar Ehemännern zu beschützen, da wird es am rechten Rand auf einmal wieder auffällig still.

Wir Frauen und unsere Rechte sind nicht der Spielball, um gezielt Angst in unserer Gesellschaft zu schüren! Und wir sind nicht das Instrument, um gezielt gegen ganze Bevölkerungsgruppen hetzen zu können.

Das verbitten wir uns!

Liebe Freundinnen und Freunde,

wir Frauen haben schon immer

–mit vielen von Ihnen an unserer Seite-

dafür gekämpft,

dass alle Menschen,

gleich welchen Geschlechts,

gleich welcher Herkunft,

gleich welchen Alters,

gleich welcher Religion,

gleich welcher sexuellen Orientierung,

hier in Deutschland das Recht auf Würde, Schutz, Chancen und Rechte haben.

Das verstehen wir als „unsere“ Werte! Dafür stehen wir ein!

Wir lassen nicht zu, dass die Menschen, die vor Krieg und Gewalt hier her zu uns geflüchtet sind, instrumentalisiert und einfach alle abgestempelt werden!

Wir lassen nicht zu, dass nun nur noch mit Angst gearbeitet wird.

Wir lassen nicht zu, dass jetzt immer alles und alle über einen Kamm geschert werden, denn:

Wir sind die Vielen, die sich für unsere Gesellschaft engagieren,

wir sind die vielen, die für unsere Demokratie einstehen.

Wir sind der Zusammenhalt, der unsere Gesellschaft weiter entwickelt!

Stichwort Veränderung in der Gesellschaft

Ja, wir müssen arbeiten. An uns. An unserer Gesellschaft.

Und ja, sie wird sich verändern.

Aber wer sagt eigentlich, dass Veränderung schlecht sein muss?

Haben nicht wir es in der Hand- gemeinsam mit allen Menschen, die hier Schutz suchen, zuversichtlich und bestärkt an unserer Gesellschaft zu arbeiten?